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Montag, 9. April 2012

Child In Time (Kind der Zeit)

Sweet child in time, you´ll see the line
Süßes Kind der Zeit, Du wirst die Grenzlinie sehen:
The line that´s drawn between the good and the bad
Die Grenzlinie, die gezogen ist zwischen dem Guten und dem Bösen.
See the blind man shooting at the world
Sieh den blinden Menschen auf die Welt schießen;
Bullets flying – taking toll
fliegende Geschosse (ihren) Tribut fordern.
If you´ve been bad, Lord I bet you have
Wenn Du schlecht gewesen bist, Herr, ich wette, Du bist es gewesen.
And you´ve not been hit by flying lead
Und wenn Du (bisher) nicht getroffen wurdest von fliegendem Blei.
You´d better close your eyes and bow your head 
Solltest Du besser deine Augen schließen und deinen Kopf beugen
And wait for the ricochet
und auf den Querschläger warten.

Deep Purple  (1970)



Ian Gillan: Hat den Text 1970 eigenen Angaben nach aus einer Laune heraus gesungen und fand die Bedeutung des Titels (Child in Time) selbst schleierhaft. Vieles wurde hineininterpretiert in den Song der psychodelischen Rock-Gruppe. 
So spontan der Text auch vom Sänger entwickelt worden sei,  so sehr ist er im Zusammenhang seiner Zeit zu sehen, und er provoziert doch schon eine Fragen, die mich heute beschäftigen:
1. Wer zieht diese Linie, von der da die Rede ist? Wer mag der Richter sein, der zwischen Gut und Böse entscheidet? Ist die dafür notwendige Polarisierung überhaupt konstruktiv? Liegt darin der eigentliche Systemfehler? (Freue mich auf Eure Kommentare zu dieser Frage).

Ist es da nicht wichtig, erst einmal genau zu wissen, wovon man spricht? Ist dies das Ansinnen des Autors Hassan D. Shahir, wenn er in seinem Buch über "Die Rote Linie" mit Hilfe von Hintergrundwissen und kritischen Fragen zum Verstehen der "persischen Kulturnation" als  Irankenner beiträgt?  Nach einer Rezension von Mattias gelingt es Herrn Shahir, dem Leser einen positiven Denkanstoss zu geben.

2. "See the blind man ..?" Ein von Blindheit Geschlagener schießt wild um sich? Ein Amokläufer also? Jemand mit einer dissoziativen Störung der Impulskontrolle? Ein Einzeltäter, der (kulturabhängig) dissozial, mehr oder weniger lange vor sich hin grübelnd, unter Verhaltens- und Persönlichkeitsstörungen leidend, irgendwann in völliger Unzurechnungsfähigkeit blindwütig alles zerstört, einem letzten verzweifelten Impuls zur Selbstbefreiung folgend, dessen Störungsbild im ICD-10 (F68.8) der WHO beschrieben werden kann?
Bleibt diesem ignoranten (oder besser: ignorierenden) Bösewicht und Zuhörer tatsächlich nur, die Augen zu schließen, den Kopf einzuziehen und auf das Ende zu warten?
Im Vorfeld eines Amoklaufes ( und in den letzten beiden Dekaden gab's dafür einige Beispiele) stehen:
  • Sozialer Rückzug eines Einzelnen oder einer Gruppe,
  • Isolation, Mangel an Kommunikation und Austausch. 
  • Offensichtlich gehört dazu auch eine Bewußtseinstrübung: Die Projektion eigener Schatten, Ängste und Abgründe auf ein Außen, auf das sich dann die blinde Zerstörungswut entlädt. 
Wie in den letzten Wochen auf der Weltbühne vorgetragen, gibt's das im Kleinen wie im Großen: 
Während der Eine sagt "was gesagt werden muss" und der Andere mit der Antisemitismus-Keule um sich schlägt offenbaren sich zwei Amokläufer? 

Eigentlich sind die beiden Spiegelfechter, die ihrer (und unserer) Angst Ausdruck verleihen, in dieser völlig überzogenen Form, die den Versuch des jeweiligen Gegenübers zur konstruktiven Auseinandersetzung im Keim erstickt!
Die meisten Autoritäten (Schriftsteller, Musiker, Politiker, Diplomaten, Kulturkritiker), die sich zu einer Äußerung aufgerufen fühlen, schlagen sich auf die eine oder auf die andere Seite und betrachten ihrerseits nur die Projektionen und nicht das Wirkliche. Sie tragen so zur Polarisierung bei und befeuern den unlösbaren Meinungsstreit, der auf das Blindwütende (den Krieg und Untergang) zu galoppiert.

So bestätigt die "geistige" Elite das Zitat Einsteins:
"The significant problems we face cannot be solved at the same level of thinking we were at when we created them." (Albert Einstein)
(Die deutlichen Probleme, denen wir uns gegenüber sehen, können nicht mit dem selben Niveau des Denkens gelöst werden, auf dem wir waren, als wir sie erschaffen haben).

Innehalten, lesen (z.B. s.o.), zuhören, verstehen, Meditation und konstruktive Kommunikation können das Bewusstsein ändern, den Prozess entschleunigen und letztlich lösen. Machen wir uns also an die Arbeit?!

Ostermontag steht für mich im Zeichen der Begegnung, des Friedens und der Völkerverständigung. 
Der Tag ist eine gute Gelegenheit, das Bewußtseinsniveau zu verändern, und wir sind alle gefordert, gleich damit anzufangen:  
Als ersten Schritt verschreibe ich mir wieder einmal selbst (und empfehle dies auch allen anderen ) die Montagsübung !